Ein anhaltender Husten wird leicht als eine weitere typische Begleiterscheinung der kalten Jahreszeit abgetan. Doch Veränderungen unserer Atmung verdienen mehr Aufmerksamkeit. Der November steht im Zeichen des Lungenkrebs-Aktionsmonats (Lung Cancer Awareness Month), und am 12. November findet der Weltpneumonietag statt. Das ist ein guter Anlass, sich näher mit der Gesundheit unserer Atemwege zu beschäftigen. Jahreszeitliche Veränderungen, das Alter und alltägliche Umwelteinflüsse können unsere Atmung beeinflussen. Wenn wir diese Zusammenhänge besser verstehen, können wir bewusstere Entscheidungen treffen und frühzeitig erkennen, wenn etwas nicht stimmt.
Warum gerade im Winter?
Der Winter bringt nicht nur kürzere Tage und kalte Morgenstunden mit sich. Wir verbringen mehr Zeit drinnen, halten uns häufiger gemeinsam in geschlossenen Räumen auf und lassen die Fenster geschlossen, damit es warm bleibt. Bei unzureichender Belüftung können sich Atemwegsinfektionen leichter verbreiten. Gleichzeitig können sich Rauch, Staub und andere Reizstoffe in der Raumluft ansammeln und die Qualität unserer Atemluft beeinträchtigen.
Auch kalte, trockene Luft kann das Atmen unangenehm machen. Sie reizt empfindliche Atemwege und kann Husten, pfeifende Atemgeräusche oder ein Engegefühl in der Brust auslösen. Besonders Menschen mit Asthma oder anderen chronischen Atemwegserkrankungen bemerken diese Auswirkungen. Ihre bestehenden Beschwerden können in den kälteren Monaten noch schwieriger zu bewältigen sein.
Auch das Alter spielt eine Rolle
Mit zunehmendem Alter verändert sich unser Körper, und das gilt auch für die Gesundheit unserer Atemwege. Atemwegsinfektionen können Menschen jeden Alters betreffen. Einige Personengruppen sind jedoch besonders anfällig und haben ein höheres Risiko, schwerwiegende Komplikationen zu entwickeln.
Kleine Kinder, insbesondere unter fünf Jahren, sind anfälliger, da sich ihr Immunsystem noch in der Entwicklung befindet. Auch ältere Menschen, vor allem ab 65 Jahren, haben ein erhöhtes Risiko, weil sich die Immunabwehr mit zunehmendem Alter auf natürliche Weise verändert. Menschen mit chronischen Lungen- oder Herzerkrankungen, Diabetes oder einem geschwächten Immunsystem sollten ebenfalls besonders aufmerksam sein.
Wichtig ist außerdem, dass sich Atemwegserkrankungen nicht bei jedem Menschen auf die gleiche Weise bemerkbar machen. Bei älteren Menschen geht eine Infektion beispielsweise nicht immer mit deutlich erkennbarem Fieber einher. Stattdessen können ungewöhnliche Schwäche, verminderter Appetit oder neu auftretende Verwirrtheit darauf hinweisen, dass etwas nicht stimmt. Wenn Sie kleine Kinder oder ältere Familienangehörige betreuen, ist es deshalb besonders wichtig, auf Veränderungen ihres gewohnten Verhaltens, ihres Energieniveaus oder ihrer Atmung zu achten.
Umwelteinflüsse, die Sie nicht unterschätzen sollten
Haben Sie schon einmal bewusst darauf geachtet, welche Luft Sie täglich einatmen? Von Zigarettenrauch über Schimmel in der Wohnung bis hin zu Staub: Auch alltägliche Umweltbelastungen können Ihre Atemwege und die allgemeine Gesundheit Ihrer Atemwege beeinträchtigen.
Rauchen und Passivrauchen
Die meisten von uns wissen, dass Zigarettenrauch chemische Stoffe enthält, die die Lunge schädigen und ihre natürlichen Abwehrmechanismen schwächen können. Doch nicht nur Raucher sind diesen Risiken ausgesetzt. Auch beim Passivrauchen atmen Menschen in der Umgebung viele dieser schädlichen Substanzen ein.
Besonders problematisch ist das in geschlossenen Räumen. Wenn jemand in der Wohnung oder im Auto raucht, kann sich der Rauch ansammeln und lange in der Luft bleiben, vor allem bei schlechter Belüftung. Dadurch können Familienmitglieder, Kinder und andere Personen, die sich dort aufhalten, weiterhin schädliche Stoffe einatmen, obwohl sie selbst nicht rauchen. Ihr Zuhause und Ihr Auto rauchfrei zu halten, ist daher eine einfache, aber wichtige Maßnahme für eine gesündere Atemluft.
Staub und chemische Dämpfe
Staub, der bei Bauarbeiten, Schleifarbeiten und anderen Tätigkeiten entsteht, sowie Dämpfe von Farben und Reinigungsmitteln können die Atemwege reizen. Besonders bei längerer Belastung oder bei Arbeiten in schlecht belüfteten Räumen können Husten, Halsreizungen oder pfeifende Atemgeräusche auftreten. Ganz gleich, ob Sie nur gelegentlich mit solchen Stoffen in Kontakt kommen oder regelmäßig damit arbeiten: Beachten Sie stets die Anwendungshinweise der Produkte, sorgen Sie für ausreichende Belüftung und tragen Sie geeignete Schutzausrüstung, um die Belastung möglichst gering zu halten.
Schimmel und Feuchtigkeit
Schimmel und Feuchtigkeit werden leicht übersehen, da sie sich häufig an Stellen entwickeln, die wir nicht regelmäßig kontrollieren, beispielsweise in Zimmerecken, hinter Möbeln oder in anderen verdeckten Bereichen. Selbst wenn Schimmel nicht sofort sichtbar ist, kann der Kontakt mit Schimmelsporen die Atemwege beeinträchtigen.
Im Winter können Kondenswasser, undichte Stellen und schlecht belüftete Räume ideale Bedingungen für Schimmelwachstum schaffen. Der Kontakt mit Schimmel kann Husten, pfeifende Atemgeräusche und allergische Reaktionen auslösen, insbesondere bei Menschen mit Asthma oder einer Schimmelpilzallergie. Kontrollieren Sie daher möglichst regelmäßig feuchte Stellen in Ihrem Zuhause, achten Sie auf mögliche undichte Stellen und sorgen Sie besonders in feuchtigkeitsanfälligen Räumen für eine gute Belüftung, um Schimmelbildung vorzubeugen.
Raumluftqualität
Wenn die Temperaturen sinken, verbringen wir ganz selbstverständlich mehr Zeit in geschlossenen Räumen und halten Türen und Fenster geschlossen. Aber haben Sie schon einmal über die Luftverschmutzung in Innenräumen nachgedacht? Kochdünste, Emissionen von Heizgeräten und Staub können die Luftqualität in Ihrem Zuhause beeinträchtigen. Ohne ausreichende Belüftung können sich diese Schadstoffe ansammeln und unsere Atemluft belasten.
Lüften Sie Ihr Zuhause regelmäßig, sofern die Außenbedingungen es zulassen. Lassen Sie Ihre Heizungs- und Lüftungsanlagen regelmäßig warten und saugen Sie Staub, um die Staubbelastung zu reduzieren. Schon solche kleinen Veränderungen können viel dazu beitragen, ein frischeres und angenehmeres Raumklima zu schaffen.
Weitere Tipps für gesunde Atemwege
Neben der Verringerung von Umweltbelastungen können auch einige einfache Alltagsgewohnheiten dazu beitragen, dass Sie sich in den kälteren Monaten wohler fühlen und die Gesundheit Ihrer Atemwege unterstützen:
Ausreichend trinken
Wenn Sie über den Tag verteilt genügend Wasser trinken, bleibt der Schleim in den Atemwegen dünnflüssiger. Dadurch kann Ihr Körper Atemwegssekrete leichter abtransportieren. Denken Sie daran, regelmäßig zu trinken, auch wenn Sie bei kaltem Wetter weniger Durst verspüren.
Luftbefeuchter bewusst einsetzen
Heizungsluft kann im Winter besonders trocken sein und manchmal zu trockenen Schleimhäuten in Nase und Rachen führen. Ein Luftbefeuchter kann die Luftfeuchtigkeit erhöhen und das Raumklima angenehmer machen. Vermeiden Sie jedoch eine zu hohe Luftfeuchtigkeit. Halten Sie die relative Luftfeuchtigkeit in Innenräumen möglichst zwischen 30 und 50 % und reinigen Sie Ihren Luftbefeuchter regelmäßig, damit sich keine Schimmelpilze oder Bakterien ansammeln.
Geeigneten Mund-Nasen-Schutz tragen
Wenn Sie sich in staubigen Umgebungen aufhalten, tragen Sie eine gut sitzende Maske oder Atemschutzmaske, die für die jeweiligen Staubpartikel geeignet ist. Bei kaltem Wetter kann es außerdem helfen, draußen Nase und Mund zu bedecken. So lässt sich die Reizung der Atemwege durch kalte Luft verringern, was das Atmen bei empfindlichen Atemwegen angenehmer machen kann.
Warnsignale, die Sie nicht ignorieren sollten
Ihre Lunge ist bei jedem Atemzug für Sie da. Schenken Sie ihr in diesem Winter die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Wer seine Atemwege gesund halten möchte, sollte vermeidbare Belastungen reduzieren, Warnsignale erkennen und wissen, wann ärztliche Hilfe erforderlich ist.
Husten oder eine laufende Nase gehören für viele Menschen scheinbar ganz selbstverständlich zum Winter. Bestimmte Symptome sollten jedoch genauer beobachtet werden, insbesondere wenn sie länger anhalten oder sich verschlimmern. Achten Sie auf folgende Anzeichen:
Anhaltender oder sich verschlimmernder Husten: Ein Husten, der nicht besser wird, stärker wird oder mit ungewöhnlichem Auswurf beziehungsweise Blut einhergeht, sollte unbedingt ernst genommen werden.
Atemnot oder pfeifende Atemgeräusche: Achten Sie darauf, ob Ihnen das Atmen schwerer fällt als gewöhnlich, selbst bei alltäglichen Aktivitäten. Neu auftretende oder zunehmende Atembeschwerden sollten Sie nicht ignorieren.
Fieber und Schüttelfrost: Diese Beschwerden können bei Atemwegsinfektionen auftreten, darunter auch bei einer Lungenentzündung, insbesondere wenn gleichzeitig anhaltender Husten oder Atembeschwerden bestehen.
Brustschmerzen: Schmerzen, die sich beim tiefen Einatmen oder Husten verstärken, können auf ein zugrunde liegendes Problem der Atemwege hinweisen.
Ungewöhnliche Müdigkeit oder Schwäche: Wenn Sie sich ungewöhnlich erschöpft oder schwach fühlen oder Ihre gewohnten Alltagsaktivitäten kaum noch bewältigen können, kann dies ebenfalls ein Zeichen dafür sein, dass etwas nicht stimmt.
Neu auftretende Verwirrtheit: Dieses Warnsignal ist besonders bei älteren Menschen wichtig. Plötzliche Verwirrtheit oder Veränderungen der Wachheit und Aufmerksamkeit können auf ein ernstes gesundheitliches Problem hinweisen und sollten nicht einfach als normale Alterserscheinung abgetan werden.
Hören Sie immer auf die Signale Ihres Körpers. Gehen Sie nicht einfach davon aus, dass Atembeschwerden nur durch das kalte Wetter verursacht werden, und warten Sie nicht, bis sich die Symptome deutlich verschlimmern, bevor Sie medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Bei schwerer Atemnot, bläulich oder grau verfärbten Lippen beziehungsweise Haut oder plötzlich auftretender Verwirrtheit ist sofortige medizinische Notfallhilfe erforderlich.
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